Familienbotschaft-MV

Live-Chat mit der Ministerin für Soziales, Integration und Gleichstellung in Mecklenburg-Vorpommern, Stefanie Drese

Der Chat ist hiermit beendet.

Wir bedanken uns bei der Ministerin für Soziales, Integration und Gleichstellung in Mecklenburg-Vorpommern, Stefanie Drese, dass sie uns für diesen Chat zur Verfügung stand.

 

 

 
  • Liebe Chat-Teilnehmerinnen und Chat-Teilnehmer,

    vielen Dank für Ihre Fragen und das rege Interesse. Es hat mir Spaß gemacht. Das mache ich gern wieder, wenn die Familienbotschaft mich lässt ;)
    Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest.

    Ihre
    Stefanie Drese

  • 3

    Sehr geehrte Frau Drese,
    ich wohne in Rostock (in der Südstadt) und bin im Dezember 2016 zum ersten Mal Mutter geworden. Schnell trübte sich die anfängliche Freude, da schon sehr zeitnah (zwei Wochen nach der Entbindung) die Suche nach einem KITA-Platz für meinen Sohn begann. Vebor ich meine Frage stelle, werde ich schildern, warum ich mich überhaupt dafür entschieden habe, mich an Sie zu wenden.

    Zunächst stieß ich auf den Online-KITA-Planer der Stadt. Der alleine stellt schon ein wahrhaft diskriminierendes Instrument dar. Man kann sich dort erst auf die Suche nach einem Platz für das Kind begeben, wenn es geboren ist und dann kann man den Antrag auf einen Platz auch nur für maximal ein Jahr später stellen. Dies bedeutet, dass alle Eltern, die länger Zuhause bleiben, trotzdem nur ein Jahr im Vorfeld auf die offizielle Suche nach einem KITA-Platz gehen können.

    Sie können es sich sicher denken, dass ein Kind, dass im Dezember geboren ist nur sehr schlechte Chancen hat, zum ersten Geburtstag einen Platz zu bekommen. Zu dem Zeitpunkt war ich trotzdem noch optimistisch und schickte meine Bewerbung für alle KITAs im Wohnumfeld ab und vereinbarte persönliche Vorstellungsgespräche. Die Nähe zum Wohnort ist für mich wichtig, da mein Mann bei der Marine ist und im Schnitt jedes Jahr für ca. 4-5 Monate in den Einsatz fährt. Ich bin quasi Alleinerziehende. Und bin darauf angewiesen, dass ganze irgendwie praktikabel zu gestalten, um Kind und Beruf vereinbaren zu können.

    Trotz der Gespräche passierte erst einmal - nichts. Dann kamen nach und nach die Absagen. Die eine Kita schickte sogar eine Extramail, mit der Bitte von weiteren Nachfragen abzusehen, da sie auf 12 Plätze in etwa 200 Bewerbungen haben. Inzwischen zog der Sommer ins Land und ich wurde langsam sehr nehrvös. Ich fing an weitere KITAs zu suchen und erweiterte meine Bewerbungen auf 23 KITAs in Rostock. Alles KITAs, die sich mit meinem Arbeitsweg (Südstadt - Lütten Klein, ohne Auto, sondern Fahrrad und ÖPNV) vereinbaren lassen.

    WIeder geschah nichts. Vereinzelt kamen Absagen. Im September folgte der Gang zum Jugendamt, um mich zu informieren, welche weiteren Möglichkeiten es gibt. Die Sachbearbeiterin empfahl mir eine KITA in Reutershagen, welche sich gerade erst vergrößert hatte. Ich rief noch am selben Tag an, alle Plätze waren jedoch schon längst weg. Das Jugendamt selbst vertröste mich und meinte, ich solle im Dezember wieder kommen, wenn ich dann immer noch nichts hätte.

    Im Oktober dann endlich eine Zusage für einen Platz in Lütten Klein. Ich bin sofort hin und wollte auf jeden Fall unterschreiben. Es gab eine Führungs durch das Haus, ich begegnete 5 Erzieherinnen, die im Krippenbereich tätig sind und war gelinde gesagt schockiert. Keine lächelte im Umgang mit den Kindern. Sie saßen herum, wirkten demotiviert und so, als ob sie am Morgen zur Arbeit geprügelt worden wären. Um mich jetzt mal eines Klischees zu bedienen: Es sah so aus, wie man sich eventuell eine Harz IV Krabbelgruppe vorstellt.

    Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ja ich bin verzweifelt auf der Suche nach einem Platz und ja ich hatte die Hoffnung schon längst aufgegeben, einen wohnortnahen Platz zu bekommen oder den Platz nach dem Konzept auszusuchen. ABER NEIN, ich bin nicht so verzweifelt, dass ich zulasse, dass meinem Kind in seinen ersten Lebensjahren jeden Tag das Gefühl gegeben wird nur Ballast zu sein. Ich werde dieses Problem nicht auf mein Kind abwälzen.

    Von allen anderen KITAs kamen nach und nach nur weitere Absagen. Deswegen ging ich nun doch auf die Suche nach einer Tagesmutter. Ich suchte inzwischen einfach nur noch nach jemanden, der einen Platz hat und gute Beziehungen zu den Kindern aufbaut. Ich habe eine gefunden, wohl wissend, dass mein KITA-Platz Problem nur verschoben ist.

    Also habe ich mich heute Vormittag (mein Sohn ist noch immer nicht ganz ein Jahr alt) wieder auf die Suche begeben.

    Nun gehöre ich auch zu denen, die durch den Onlineplaner diskriminiert werden, denn ich kann ich noch nicht nutzen und wenn ich ihn in einem Jahr nutzen kann, es es auch wieder zu spät. Also ging ich heute zu mehrern KITAs. Bis jetzt schon wieder nur Absagen.

    Ich möchte gern wieder arbeiten (ich bin Sonderpädagogin) und möchte trotzdem mein Kind gut untergebracht wissen. Ich bin bei weitem nicht die einzige mit diesem Problem und es nützt auch gar nichts, wenn es langfristige Planungen gibt, um dem Problem in den nächsten eventuellen 5 Jahren zu begegnen. ES GIBT MASSIV ZU WENIG PLÄTZE MIT ANGEMESSENER BETREUUNG! ES WIRD JETZT EINE LÖSUNG BENÖTIGT!

    WIe gedenken Sie, mit diesem Problem umzugehen?
    Mit freundlichen Grüßen
    Christin

    Hallo Christin,

    im Land sind in den letzten 5 Jahren über 10.000 neue Kita-Plätze entstanden. Dennoch weiß ich, dass gerade in Ballungszentren, wie Rostock, Probleme bestehen. Für die Kita-Planung ist allerdings laut Gesetz die Kommune zuständig. Ich würde Ihnen raten, nochmal mit dem Jugendamt zu sprechen und auf Ihre besondere Lage als (quasi) Alleinerziehende hinzuweisen.
    Leider kann ich vom Ministerium aus nicht direkt eingreifen. Auch Tagespflegepersonen stellen für mich eine gute Alternative dar. Ich wünsche Ihnen, dass sich Ihre Situation bald zufriedenstellend klären lässt. Gern spreche ich Sozialsenator Bockhahn auch noch einmal persönlich auf Ihren ausführlichen Bericht an.

    Liebe Grüße

    Stefanie Drese


    Vielen Dank für die Rückmeldung.
    IWIe Sie es sich sicher denknen können, finde ich Ihre Antwort nicht zufriedenstellend. Das Ministerium ist das übergeordnete Organ und sollte ebenso an einer zeitnahen Lösung mitarbeiten und die Verantwortung nicht nur der Komune überlassen. Ich frage daher noch einmal:

    Wie gehen SIE mit dem Problem um?

    PS: Das Büro von Herrn Bockhahn hat mich an Herrn Pfeifer vom Jugendamt weitergeleitet.

    MfG Christin

    Christin

    Hallo Christin,

    wir sind für die Rahmenbedingungen als Ministerium zuständig, die Umsetzung und damit die Schaffung der Plätze erfolgt bei den Landkreisen und kreisfreien Städten im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung. Dort muss eine Kita-Platz-Planung erfolgen. Darauf hat das Land keinen Einfluss. Deshalb nochmal mein Rat, sich mit Ihrer persönlichen Schilderung an das Jugendamt zu wenden. Die Wahl einer Tagesmutter halte ich für eine sehr gute Lösung. Tagesmütter sind absolut gleichberechtigt zur Kita-Betreuung.

    Stefanie Drese
  • 1

    Hallo Frau Drese,

    wie können die pflegenden Angehörigen entlastet werden? Gibt es da konkrete Maßnahmen im Land? Ich pflege derzeit meine Mutter und bin voll berufstätig...

    Lg

    Hallo Ines,

    die Bedingungen für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf haben sich in den letzten Jahren durch einige bundesgesetzliche Regelungen verbessert. Trotzdem ist die Belastung enorm. Im Land verfolgen wir den Grundsatz "ambulant vor stationär" und stärken die bedarfsgerechte Infrastruktur im Land, zum Beispiel durch die flächendeckend tätigen Pflegestützpunkte, wo insbesondere pflegende Familienangehörige Beratung und Hilfen bekommen. Näheres erfahren Sie auch unter www.pflegestuetzpunktemv.de.
    Vielen Dank für Ihr Engagement und Ihnen und Ihrer Mutter alles Gute.

    Stefanie Drese
  • 1

    Sehr geehrte Frau Drese,

    ich bin im März zum zweiten Mal Mutter geworden. Anfang des Jahres sind die Beiträge in der Kita, die mein Sohn besucht um fast 40 Euro gestiegen. Uns wurde erklärt, dass dies an den gestiegenen Sach- und Personalkosten liegt.
    Ich habe es so verstanden, dass wir im Januar 2018 eine Elternentlastung von 50 Euro bekommen. Stimmt das? Wie wird das Land die Eltern entlasten?

    Liebe Grüße und Danke für Ihre Antwort

    Ann-Kathrin B.

    Hallo Ann-Kathrin,

    herzlichen Glückwunsch zur Geburt des zweiten Kindes. Ab dem 1.1.2018 entlastet das Land die Eltern um bis zu 50 € monatlich von den Kita-Beiträgen. Sie müssen dafür nichts tun, die Reduzierung erfolgt automatisch über die Rechnung des Trägers.

    Stefanie Drese
  • 1

    Hallo Frau Ministerin,

    ab wann können wir Eltern mit einer Entlastung im Bereich der Kita-Gebühren rechnen? Ist die Beitragsbefreiung auch schon in Sicht? Und wird die Essensversorgung auch übernommen?

    Hallo Kathrin,

    ab dem 1.1.2018 werden die Eltern um weitere bis zu 50 € monatlich entlastet. Zum nächsten Jahr startet dann die Geschwisterkindregelung, wie ich in der Frage davor schon beschrieben habe. Das gilt auch für die Antwort auf die Frage nach der kompletten Beitragsfreiheit. Die Essensversorgung gehört nicht zur Beitragsentlastung. Allerdings für Kinder aus einkommensschwachen Familien wird diese auf Antrag übernommen.

    Stefanie Drese
  • 1

    Sehr geehrte Frau Drese,

    wann kommt die beitragsfreie Kita?

    Mit freundlichen Grüßen
    Erik

    Hallo Erik,

    zunächst kommt zum 1.1.2018 eine weitere Elternentlastung von bis zu 50 € monatlich für alle Kinder in der Krippe, Kita oder bei einer Tagespflegeperson, mit Ausnahme des bereits gesenkten Vorschuljahres.
    Zum 1.1.2019 kommt dann die Geschwisterkindregelung, das heißt, für das zweite Kind in der Betreuung wird der Beitrag halbiert und ab dem dritten Kind trägt das Land den Elternbeitrag komplett.
    Nächstes Ziel ist dann die komplette Beitragsentlastung. Daran arbeiten wir. Dafür brauchen wir aber den Bund. Wir hoffen, dass mit einer neuen Bundesregierung diesem Thema viel Bedeutung beigemessen wird. Ich stehe hinter einem solchen Vorhaben.

    Stefanie Drese
  • 1

    Liebe Frau Drese,

    ab wann können unverheiratete Paare genau mit Unterstützung bei unerfülltem Kinderwunsch rechnen?

    Hallo Claudia,

    wir haben den Kreis der Empfänger dieser freiwilligen Leistung des Landes um Paare, die in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft leben, erweitert. Die Regelung tritt ab sofort in Kraft.

    Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel 50 Prozent der Kosten bei den ersten drei Behandlungen. Das Land übernimmt gemeinsam mit dem Bund 50 Prozent des Eigenanteils. Der Rest muss durch die Paare aufgebracht werden

    Stefanie Drese
  • 1

    Sehr geehrte Frau Drese sie haben uns im Sommer 17 beim ISBW Neustrelitz unsere Zertifikate zum Projekt Tagesmütter stärken überreicht.
    Im Nordkurier haben Sie geschrieben das die Tagesmütter die 160 Stunden zur Ausbildung zur Tagesmutter gemacht haben, 140 Stunden noch absolvieren können. Wann und bei welchem Institut kann man dieses Angebot von Ihnen absolvieren? Was passiert mit dem Tagesmütter in MV ? Bekommen die Tagesmütter mehr Geld wenn sie die 140 Stunden aufgestockt haben? Was passiert mit der Rente und Krankenversicherung ab 2018? Das sind viele Fragen die mich interessieren. Ganz liebe Grüße aus Neustrelitz Kathrin Mummert Ps. Sie haben eine Visitenkarte von mir bekommen. Tagespflege stelle " Die Waldgeister"

    Liebe Frau Mummert,

    wir stellen als Land die Anschlussqualifizierung von 140 Stunden kostenfrei zur Verfügung. Unter anderem wird Schabernack e.V. das anbieten. Das Jugendamt der Landkreise ist dann für die Frage der Entlohnung zuständig und sollte selbstverständlich die höhere Qualifizierung berücksichtigen.
    Liebe Grüße und bis zu einem späteren Termin persönlich einmal wieder mehr.

    Stefanie Drese
  • 1

    Sehr geehrte Frau Drese,

    Ich bin Tagespflegeperson und interessiere mich für die Ideen zu den Vertretungsmodellen. Ich finde es längst überfällig das daran gedacht wird und begrüße es sehr. Können Sie mir mehr zu dem Vorhaben mitteilen?

    Vielen Dank!
    Susanne

    Hallo Susanne,

    für mich ist Kindertagespflege gleichberechtigt mit der Betreuung in der Kita. Deshalb haben wir als Land eine Qualifizierungsoffensive gestartet. Ein Bestandteil ist die Sicherstellung von Vertretungen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, und wir wollen zunächst in 6 Regionalkonferenzen diese vorstellen und mit den Tagespflegpersonen beraten, welche für die Tagespflegepersonen einer Region am besten passen. Zum Beispiel gibt es das Model 4+1, bei dem sich fünf Tagespflegepersonen zusammenschließen und einen Platz jeweils freihalten. Oder die mobile Tagespflegeperson...

    Stefanie Drese
  • 1

    Hallo Frau Drese,

    ich freue mich, dass ich die Möglichkeit habe im Rahmen dieses Chats eine Frage an Sie zu stellen. Leider kann ich am Montag nicht, so dass ich meine Frage bereits heute einstelle.

    Ich habe gehört, dass die Pflegemindestlohninitiative umgesetzt wird. Das freut mich sehr. Was sind da die nächsten Schritte und ab wann wird der Mindestlohn bei uns im Osten an den Satz im Westen angepasst.

    LG nach Schwerin

    Hallo Sabine,

    zunächst einmal freue mich sehr über Ihr Interesse an diesem Thema. Die Ministerkonferenz hat mit großer Mehrheit meiner Initiative zugestimmt. Nun ist es an der Bundesregierung zu handeln. Mit dem Antrag fordern die Sozialminister die Bundesregierung auf, das Arbeitnehmergesetz zu ändern. Da geht es darum, in der Pflegebranche keine Regionaldifferenzierung mehr zuzulassen.

    Stefanie Drese